#55 Wertschätzend führen, klar bleiben - und warum das kein Widerspruch ist (Community-Special 4/6)

Shownotes

Du willst dein Team wertschätzend führen und gleichzeitig klare Ansagen machen, wenn Abmachungen nicht eingehalten werden. Das fühlt sich oft wie ein Widerspruch an. Spoiler: Ist es aber nicht. Warum Klarheit eigentlich eine Form von Fürsorge ist, was echte Verantwortungsübergabe von Pseudo-Verantwortung unterscheidet und wie meine Coachee gelernt hat, ein unangenehmes Gespräch zu führen, statt es auszusitzen. All das erfährst du in dieser Folge der THERAPIEPAUSE.

Das ist Folge 4 von 6 meines Community-Specials: Basierend auf meiner Umfrage widme ich mich in dieser Sommerserie den Themen, die euch als Praxisinhaber*innen gerade am meisten beschäftigen.

💬 Wenn du merkst, dass du gerade an einem ähnlichen Punkt stehst, dann lass uns sprechen und herausfinden, ob wir im 1:1 Coaching zusammenarbeiten wollen. Alle Infos zu meinem Angebot findest du auf www.therapiepause.de/angebote

Ich freue mich drauf, von dir zu lesen! Deine Ina

Transkript anzeigen

00:00:14: Hi und herzlich willkommen in deiner Therapie-Pause.

00:00:17: Dem Podcast rund um die Themen gesunde Praxisführung, Rollenklarheit und Resilienz für dich als Inhaberinnen einer Therapiepraxis!

00:00:25: Mein Name ist Ina – ich bin Logopädin, systemischer Coach, systemische Organisationsentwicklerin und ehemalige Praxissenhaberin.

00:00:33: Im Therapiepause-Podcast bekommst du von mir praktische Impulse, die dich als Führungsperson stärken.

00:00:40: Für mehr Klarheit in Deiner Rolle Mehr Leichtigkeit in deinem Arbeitsalltag und eine Praxis, in der du und dein Team langfristig gesund und gerne arbeiten.

00:00:49: Ohne dabei auszubrennen!

00:00:51: Und jetzt geht's auch schon los?

00:00:53: Ganz viel Spaß in deiner heutigen Therapiepause.

00:01:08: Wir sind bei Teil vier meines Community-Specials angekommen, wo ich euch ja mit hinter die Kulissen nehme.

00:01:13: Hinter die Ergebnisse meiner Umfrage, die ich ja vor ein paar Wochen gestellt habe und in der hab' ich euch gefragt was aktuell für euch als Inhaberin in der Logopädie Ergotherapie und Physiotherapie?

00:01:24: Was da so die größten Herausforderungen sind!

00:01:27: Und heute geht so mein Thema, dass kaum jemand von euch beim Beruf als Therapeutin gelernt hat.

00:01:32: Aber trotzdem täglich Thema ist und zwar das Thema Mitarbeiterführung und überhaupt das ganze Thema Teamdynamik.

00:01:40: Ich hab euch gefragt was belastet euch denn aktuell als Inhaberin am meisten?

00:01:45: Eine Antwort dazu ist mir besonders in Erinnerungen geblieben die hieß... Ich möchte gerne den Mitarbeitenden gerecht werden und ihnen ein schönes Arbeitsumfeld bieten.

00:01:54: Und gleichzeitig auch auf meine eigenen Bedürfnisse achten!

00:01:58: Das fällt mir oft schwer, und ich stelle meine eigenen bedürfnisse zurück.

00:02:03: Ich glaube das können auch sehr viele von euch nachvollziehen.

00:02:06: Zumindest höre ich das wirklich häufig.

00:02:07: also diese Idee... Ich bin ja so froh dass ich einen Team habe und ich möchte da jetzt wirklich gut gucken.

00:02:15: wie geht's denen?

00:02:16: Dass es denen gut geht welche Bedürfen sie haben?

00:02:20: Was fällt dann hinten über?

00:02:21: Die eigene Bedürfnisse.

00:02:23: Bei der Frage nach den konkreten Herausforderungen im Alltag kam von einer Inhaberin auch noch der Satz, wenn man gute Onboardingprozesse entwickelt hat und wirklich viel Zeit dafür investiert – und die andere Seite dann null verbindlich ist!

00:02:35: Diese Einseitigkeit plus die fordernden Haltungen finde ich schwierig….

00:02:40: Und eine andere schrieb noch ganz knapp wirtschaftliches Unverständnis trotz voller Transparenz.

00:02:46: Zwei Antworten aus der Umfrage haben mich beim Lesen auch noch besonders nachdenklich gemacht.

00:02:50: Einen schrieb dieses Gefühl, dass es nie genug ist für die Mitarbeitenden.

00:02:54: Dass ich nicht.

00:02:55: bei jedem können wir mal reden Angst haben muss das jemand geht und vielleicht geht's dir da ähnlich.

00:03:01: zumindest höre ich das wirklich sehr häufig.

00:03:03: diese Befürchtung wenn da ein Gespräch ansteht, dass da jetzt direkt die nächste Kündigung auf dem Plan steht Das ist wirklich für viele real.

00:03:14: Oder wenn ich jetzt diesem Wunsch der Mitarbeiterin nicht nachgehe, dann kündigt sie ja womöglich?

00:03:20: Ja also dass diese Ängste da sind höre ich wirklich sehr häufig.

00:03:23: vielleicht geht es dir da ja ähnlich.

00:03:25: Und auf die Frage, welche Informationen euch denn fehlt um euren Joballtag entspannter zu gestalten kamen richtig konkrete Fragen zurück.

00:03:32: Zum Beispiel sowas wie Wie kann ich konsequent und wertschätzend mehr Verständnis für Regeln einfordern?

00:03:39: Und wie gehe ich mit Mitarbeitern und schwierigen Patienten um?

00:03:42: Wie äußere ich Kritik richtig?

00:03:45: Auf die Frage welche Frage euch im Kern wirklich weiterbringen würde schrieb eine Wie bringe ich das Team dazu, aus der Komfortzone herauszukommen ohne sie zu überfordern?

00:03:56: Und was mir bei diesen Antworten auffällt ist ein ganz bestimmter Spagat.

00:03:59: Viele von euch wollen wertschätzend führen – New Work-Leben auch dieser Begriff wird manchmal genannt – dass Team einbinden auf Augenhöhe arbeiten und gleichzeitig klare Ansagen machen wenn Abmachungen zum Beispiel nicht eingehalten werden.

00:04:14: Das fühlt sich für viele wie so eine Art Widerspruch an.

00:04:17: Spoiler!

00:04:18: Ist es aber gar nicht?

00:04:19: Klarheit und Wertschätzung schließen sich nicht aus, ja?

00:04:22: Also im Gegenteil.

00:04:24: So Vageansagen ans Team – Aus Angst jemanden zu verlieren, die führen meistens zu genau dem Verhalten das dann als frustrierend erlebt wird!

00:04:33: Also Abmachungen, die wieder vergessen werden Aufgaben, die am Ende doch bei dir landen.

00:04:38: Klar ist es eigentlich eine Form von Fürsorge Möchte ich tatsächlich sagen für dich und für dein Team Weil alle dann genau wissen woran sie sind.

00:04:47: Und das ist so etwas, dass bemerke ich tatsächlich häufig, dass viele Inhaberinnen mit der Zeit so ein Verhalten angewöhnt haben.

00:04:55: Dass sie eher vermeiden bestimmte Gespräche zu führen aus Angst, dass zum Beispiel jemand geht oder Kritik kommt oder noch höhere Erwartungen kommuniziert werden den man dann ja wieder nicht gerecht werden kann.

00:05:12: Und dieses vermeiden, das kennen wir vielleicht auch aus anderen Bereichen.

00:05:15: Wenn ich sowas so vermeide, dann wird es an anderer Stelle häufig eher schlimmer.

00:05:20: Das heißt, dieses unkonkrete Waage auf der anderen Seite, dieses Gefühl, ich weiß jetzt eigentlich gar nicht so wirklich woran Ich bin, das führt eher häufig zu Unzufriedenheit.

00:05:30: Das heisst was ich im Coaching immer wieder sehe die Angst vor Konflikt oder auch Fluktuation, die führt oft dazu dass Feedback so verwässert wird bis es kaum noch ankommt.

00:05:40: Es wird so unkonkret und schwammig, dass es eben kaum mehr ankommt.

00:05:45: Und genau das erschöpft dann auf Dauer mehr als ein klares aber gut vorbereitetes Gespräch.

00:05:51: Was mir außerdem auffällt oft fehlt es nicht am ersten Gespräch sondern an der Verbindlichkeit danach.

00:05:58: Das heißt ein Thema wird angesprochen kurz ist es besser und dann verläuft es wieder im Sande.

00:06:03: Ein paar Monate später schaukelt sich da genau das gleiche Thema wieder hoch, bis es so richtig nervt und dann geht's wieder von vorne los.

00:06:10: Das heißt verantwortung wirklich abzugeben bedeutet deshalb auch deine Mitarbeitenden eng in diesem Prozess mitzunehmen klar zu formulieren welche Erwartungen du hast, zu klären ob ihr beide dieselbe Erwartung verbindet und auch zu vereinbaren wie lange ihr diese neue Abmachung testet.

00:06:27: ja zu fragen was brauchst du denn noch um diese Abmachtung überhaupt erfüllen zu können?

00:06:32: Und Warum gibt es überhaupt diese Erwartung von mir?

00:06:35: Was ist so mein größeres Ziel, was ist meine Vision dahinter.

00:06:39: Und dann auch wirklich ganz konkret zu vereinbaren waren ihr euch wieder trefft um zu besprechen ob es so funktioniert wie sich beide Seiten das eben vorgestellt haben.

00:06:48: nicht erst wieder im jährliche Mitarbeitergespräch sage ich schon mal direkt dazu sondern engmaschig gerade am Anfang.

00:06:54: und wenn wir auf das Thema Zeit gucken Dann höre ich sehr häufig aber in er darf ja gar keine zeit zu.

00:06:58: Ich kann doch da jetzt nicht jeden so engmarschig begleiten.

00:07:02: Das ist leider deine Aufgabe.

00:07:04: Und ja, klingt das vielleicht so ein bisschen gemein aber es ist tatsächlich so dass wir nicht erwarten können, dass mit einem kleinen Hey mach mal das Thema sich erledigt hat.

00:07:15: Sondern wir müssen da eine Zeit lang zumindest wirklich dran bleiben bis das dann auch einmal läuft und dieser Verantwortungsbereich wirklich deligiert ist.

00:07:24: Und das ist dann eben auch der Unterschied zwischen so echter Verantwortungsübergabe und so eine Art Pseudo-Verantwortung.

00:07:30: Wenn du es am Ende doch wieder alles selber machst, sobald es nicht sofort rundläuft, dann hast du zwar delegiert aber nicht wirklich losgelassen.

00:07:37: Also es ist so nichts halbes und nichts ganzes!

00:07:40: Ich möchte dir dazu jetzt gerne noch mal von einer Coachee erzählen – ich nenne sie jetzt einfach mal Sabine.

00:07:46: mit ihr habe ich zusammengearbeitet im Eins zu Eins Coaching.

00:07:49: Auch hier, das ist natürlich nicht Ihr echter Name ne?

00:07:51: Auch alle Details sind verändert.

00:07:53: Sabine kam ins Coaching, weil eine Mitarbeiterin regelmäßig Absprachen nicht einhielt.

00:07:59: Also Protokolle nicht schrieb, Aufgaben liegen ließ.

00:08:02: und Sabine wusste das ganz genau, sprach es aber mittlerweile kaum mehr an!

00:08:07: Der Grund – und den hat sie auch wirklich erst im Coaching-Club nennen konnte die Angst, dass so'n klares Gespräch dazu führen könnte, dass sie Mitarbeiterinnen kündigt.

00:08:14: Und dann hätte Sabine eben einen Loch im Team, ne Lücke?

00:08:18: Dass sie in der aktuellen Personalsituation kaum oder wenn dann nur sehr schwierig stopfen könnte.

00:08:24: Wir haben uns dann im Coaching angeschaut, wie oft Sabine das in den letzten Monaten so gemacht hat also so Aufgaben einfach selbst übernommen hat statt das Thema anzusprechen.

00:08:33: und naja sie kamen da auf eine Zahl die sich selbst überrascht hat.

00:08:36: also gefühlt jede Woche ist sie eigentlich dann doch noch mal für irgendwelche Themen eingesprungen die sie ursprünglich mal eigentlich abgeben wollte und danach haben wir gemeinsam ein Feedback Gespräch vorbereitet Ganz bewusst jetzt nicht so aus dem Bauch heraus, sondern mit ganz konkreten Beobachtungen statt Vorwürfen.

00:08:55: Mit einer klaren Bitte!

00:08:56: Mit einer ganz klaren Struktur was Sabine sich wünscht von dieser Mitarbeiterin.

00:09:02: und dieses Gespräch hat sie einfach vorher sehr nervös gemacht.

00:09:06: das war ja vorher auch klar und deshalb hat sie es natürlich vermieden Und was sehr, sehr gut geholfen hat das wirklich mal so sehr klein schrittlich vorzubereiten auch ein Stück weit zu üben.

00:09:17: Es ist auch immer möglich natürlich so ein Gespräch dann mal durchzugehen selbst wenn es nicht das gleiche ist.

00:09:22: Wirklich auch mal alle Gedanken die jetzt dabei kommen.

00:09:25: aber was ist denn wenn sie dann sagt?

00:09:29: Das einfach besprechen zu können!

00:09:30: Das hat schon enorme Entlastung gebracht und wir haben sie dann wirklich so gestärkt in ihrer Haltung dass sich getraut hat dieses Gespräch zu führen.

00:09:39: Ich weiß nicht, an welchem Punkt du grade stehst.

00:09:41: Du denkst vielleicht, das ist jetzt ein Gespräch so schwierig?

00:09:46: Ja es gibt tatsächlich sehr viele da draußen, viele Inhaber und Inhaberin die strugglen mit solchen Gesprächen weil's noch mal was anderes ist als Therapeuten zum Beispiel mit Eltern, die zu Hause nicht üben oder so als mit der eigenen Mitarbeiterin oder dem eigenen Mitarbeiter.

00:10:03: Es ist häufig doch nochmal eine andere Beziehung, es is ne andere Verbindung Manchmal so eine andere Verantwortung oder so ein ... Teilweise auch so ein Gefühl von Abhängigkeit.

00:10:16: Ja, also ich sag jetzt mal ganzer Lob die Warteliste mit anderen Patienten ist super lang!

00:10:22: Wenn da jetzt Eltern im Feedback-Gespräch völlig aus dem Rahmen tanzen dann sage ich womöglich auch na gut Also wenn sie sich ja so an das Minimum der Regeln nicht halten Dann besetzen wir ihren Platz sehr schnell wieder neu.

00:10:37: Bei einer Mitarbeiterin habe ich vielleicht das Gefühl, ist das anders.

00:10:40: Also wenn ich da jetzt ein Gespräch führe, wo ich auch klar meine Grenzen aufzeige und auch meine Erwartungen kommuniziere denke ich vielleicht so, es ist klar, es stehen ja gerade nicht fünfzehn andere potenzielle Mitarbeiter schon Schlange vor meiner Praxis.

00:10:55: Kannst du für dich ja auch noch mal überprüfen ob das bei dir auch eine Angst ist?

00:10:59: möchte die Angst vor allem auch gar nicht kleinreden, die ist real.

00:11:03: Und gleichzeitig möchte ich dazu animieren dass dieses Verhalten was da raus häufig entsteht also dieses vermeidende Verhalten das das eben auch nicht die Lösung ist.

00:11:11: Meistens macht es das sogar nur noch schlimmer, was jetzt so die ganze Dynamik, auch Team-Dynamik in der Praxis angeht.

00:11:18: Und vor allem auch deine eigene Energie und deine eigene Zufriedenheit.

00:11:21: Denn es macht auf Dauer auch einfach wirklich keinen Spaß solche Themen immer wieder mit sich rumzuschleppen und zu denken, ich müsste ja eigentlich mal etwas sagen aber komm dann lasse ich's halt wieder wird schon wieder!

00:11:33: Ja?

00:11:33: Und dann guckst du es dir wieder an für drei vier Wochen und am Ende stehst du wieder am Anfang und denkst naja jetzt sind wir wieder da.

00:11:40: Bei Sabine war es so, die Mitarbeiterin ist am Ende nicht gegangen.

00:11:44: Viel wichtiger war für Sabine etwas ... Sie hat gemerkt, dass ein klares Gespräch sich vielleicht im ersten Moment zwar unangenehm anfühlt aber sie danach wirklich spürbar erleichtert ist und dieses Dauergefühl ständig hinterherzuräumen einfach weg ist Und das auch letztlich die Mitarbeiterinnen klar die Chance bekommt überhaupt zu verstehen was von ihr erwartet wird.

00:12:08: Ja, und das müssen wir auch uns immer noch mal anschauen durch diesen Perspektivwechsel.

00:12:12: Wenn wir nicht klar kommunizieren, erlauben wir auch oder geben wir unserem Gegenüber gar nicht die Möglichkeit zu verstehen worum es denn ja eigentlich wirklich geht?

00:12:22: Das heißt, wir geben unseren Gegenüber auch gar nicht erst die Möglichkeit sich dahingehend weiterzuentwickeln.

00:12:28: Ich finde, dass ist eine hilfreiche Perspektive, die zumindest Sabine hier nochmal weitergeholfen hat.

00:12:34: Wenn du dich in Sabines Geschichte wiedererkennst dann ... bist du auch damit nicht alleine.

00:12:38: Das zeigt sich auch ganz klar in den Antworten aus der Umfrage.

00:12:42: und genau an diesem Punkt setze ich eben auch im Eins zu Eins Coaching an, also Klarheit in der Führung ohne dabei die Wertschätzung zu verlieren, den Mutgespräche zu führen, die du bisher aus Sorge vielleicht eher vermieden hast.

00:12:54: Wenn du merkst dass du gerade an so einem ähnlichen Punkt stehst wie Sabine dann schreib mir sehr gerne alle Infos zu meinem Eins zu eins Coaching findest du unten in den Show Notes oder auch auf therapiepause.de-angebote.

00:13:07: So, in zwei Wochen hören wir uns wieder mit Teil fünf der Community Serie.

00:13:12: Dann geht's um finanzielle Sorgen und wirtschaftlichen Druck.

00:13:16: Weit gespannt Und damit sag ich jetzt für heute erstmal Machs gut und bis bald In deiner Therapie Pause.

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